Der verpatzte Flug nach Pilsen

Karl Bauer flog am 23. April 1939 vom Kleinheppacher Kopf 304 km nach Pilsen. Seitdem versuchen ihm die Gleitschirmflieger vom Kleinheppacher Kopf zu folgen. Am 2. April 2010 war Thilos großer Tag. Im Anhang die Veröffentlichung des DHV-Forums aus der Sicht des Rückholers.

 

von Kunisada veröffentlicht am 04.04.2010

Flug vom Kleinheppacher Kopf nach Pilsen missglückt!

Wie das mit einem guten Streckenflug Tag ist weiß jeder. Aber ich erzähl euch jetzt wie es mein Kumpel Thilo gemacht hat.
Also, schon 2 Tage vorher gab es beim DHV Wetter die „Warnung“ dass der Karfreitag sehr vielversprechend sein könnte. Auch der Segelflugwetterbericht am Karfreitag war vielversprechend.

Ich kam mit Urinalkondom, CamBild 1elbak und nagelneuem Liegegurt ausgestattet meinen Kumpel Thilo abholen.

Doch der war erst mal am jammern. Die Windvorhersage stimme nicht, am Buckel hintern Haus hätte es voll Ost und das taugt nicht am Kopf. Er spielte mit dem Gedanken einen anderen Startplatz anzufahren. Seinen Liegegurt wollte er auch nicht mitnehmen, und Brunztunnel und Camelback, nee, wirsch sä, sagte er, wie emmer bei Oscht am Kopf, da kammer sich net halda (Du wirst sehen, wie immer bei Ost am Kopf, da kann man sich nicht halten)

Auf dem Weg zum Kopf musste ich mir jede Menge Klagelieder über ungünstige Windrichtungen anzeigende Windrichtungsanzeiger anhören. Ach ja, er fragte mich auch mal ob ich Batterien dabei hätte, sein Accu im GPS wäre schon recht leer. So ein Glückspilz, das ich welche im Flugsack habe.

Also angekommen und mit anderen über den Ostwind gejammert und hochgefahren. Keiner in der Luft, ein ganz und gar schlechtes Zeichen. Sofort rödelt mein Kumpel Thilo auf, diweil der Wind recht stramm aus SO den Kopf hochkachelt. Ich habe mein neues Gurtzeug dabei und bin ziemlich beschäftigt und habe irgendwo im Hinterkopf noch was von Batterien für GPS, was ich dann aber auch wieder vergesse.

Bild 3Da steht er nun also am Start, mein Kumpel Thilo, unsexy Leichtgurt, fast leere Accus im GPS, kein Brunztunnel, kein Camelbak, kein Vesper, a bissel einen Kopf vom Vorabend Vino, Accu vom Mobiltelefon dann auch ziemlich alle wie sich später herausstellt.

Gut, bringen wir den Kerl jetzt mal endlich in die Luft.

Also, es trägt schön, und nach einigem Hin und Her am Hang geht’s dann richtig hoch und nach 10 Minuten ist er weg. Ich kann ihn dann auch nirgends mehr entdecken und beschließe am Kopf zu bleiben da ich zwar schon am Deckel bin aber noch zu sehr mit dem neuen Gurt beschäftigt bin.

Letztlich mache ich dann 3 Flüge und widerstehe der Versuchung,ihn anzurufen. Ich fürchte mich fast vor meinem Telefon, denn, mir droht der „RÜCKHOLER“. Einmal bimmelt es, aber das ist Gott sei dank nur mein Kumpel Rolf der mir von den Segelfliegern aus Heiningen berichtet wie geil es heute geht.
  Also ich hör nix und ich hör nix. So 12:20 ist er gestartet und jetzt ist 16:30 also rufe ich dann doch mal an. Ich hatte mir seit einiger Zeit ausgemalt, dass er vielleicht bis Sulzbach zur Schwiegermama gekommen ist und sich dort schon eine Weile mit Cafe und Kuchen mit fett Sahne von den Strapazen eines kleinen Streckenfluges hochpäppeln lässt.

Bild 2Als ich dann anrufe sagt er mir, dass er gerade am zusammenpacken sei, er wäre grad gelandet und kann mir nur sehr vage Hinweise geben wo er eigentlich ist. Er wäre schon ein ganzes Stück über die A6 drüber geflogen. Und er wäre an einer großen Flußschleife gelandet. Hm, also tausche ich meine GS Ausrüstung gegen meine Marines Uniform und meinen Opel gegen meinen Helikopter um den Jungen da rauszuholen, wo immer es ihn auch hinverschlagen haben mag im Feindesland. Da ich ihn in nordöstlicher Richtung von Heilbronn vermute überlege ich kurz die B14 nach Schwäbisch Hall zu fahren und dort auf die A6 zu gehen oder sie zu kreuzen je nach weiteren Positionsangaben.

Aber ich beschließe dann doch erst auf die A81 zu fahren. Noch vor der Autobahn bimmelt meine mobile Kommunikationseinheit und ich muß meinen Heli kurz in einer Waldlichtung absetzen um Karten aus dem Handschuhfach

zu kramen und mich zu orientieren wohin meine Rückholerreise geht.


WERTHEIM-LENGFURT. Hm, das habe ich schon mal gehört, aber wo ist das? Was? Am Main? Hä? Nähe Würzburg???!??? Also erst mal einige Blätter aus dem Schuber gezogen und die Strecke die noch vor mir liegt gescannt und meinem bioneuronalen Bordcomputer eingespielt.

 Also Pitch gezogen, raus aus der Lichtung und im Kontourflug über die Autobahn gen Würzburg gebrettert. Ein Stück nach dem Heilbronner Kreuz registriere ich mal ein Schild „Würzburg 85km“ Was? Immer noch so weit? Und von da geht’s ja noch ein Stück Richtung Frankfurt! Im meinem Kopf bildet sich eine 3 stellige Zahl mit einer 1 vorne dran. Is nich, nee, kann nich sein, der hat doch nicht, unmöglich, booooaaah. Mann, der hat seinen ersten 100km Flug geschafft. Im Flachland! Doch Vorsicht, den Optimismus eingebremst. Das muß zuhause dann am PC erstmal alles verifiziert werden.

Bild 4Doch, was soll ich sagen, ich hatte es ja schon am Telefon erfahren, sein GPS hatte sich ja schon nach einem gefühlten Drittel der Strecke verabschiedet. Erhat dann jeweils kurz vor einer vermuteten Landung das GPS noch 3 Mal für einige Minuten in Gang bekommen bis die Accus wieder schlapp waren. So gibt es wenigstens bis kurz vor der Landung einige Track Schnipsel.
Gut, Ich komme in eine sehr malerische Gegend und finde meinen Kumpell Thilo mühelos, der sich schon ein Schnitzel reingeschoben hat während ich den ganzen Tag noch nichts zu beißen bekommen hatte.

Nach flotter Rückfahrt, jetzt wieder mit Opel und in Zivil, sitzen wir vor dem PC und versuche die Trackschnipsel zusammenzusetzen und einen Screenshot in Google Earth zumachen. Dieses Bild ist auch im OLC. Luftlinie gemessen waren es 110km. Ich lasse mich dann noch fürstlich mit Schwertfisch belohnen. Waren immerhin 320km Fahrerei.

http://xc.dhv.de/xc/modules/leonardo...lightID=131494

Übrigens, letztes Jahr hatte er auch den weitesten Flug vom Kopf geschafft. Auch nicht OLC dokumentiert, weil der sein GPS vergessen hatte und sich zwar ein GPS12 leihen müßte welches aber keine Höhe aufzeichnet und keinen gültigen Track ergibt. Ich bin gespannt wie er sich nächstes Jahr die Köpflesmeisterschaft versaut. Aber vielleicht langt es ja auch heuer noch mal so einen Knaller. Ich habe mir mittlerweile ein Checkliste für ihn erstellt damit er halbwegs ordentlich vorbereit zum fliegen geht. Mal sehn ob’s was hilft.

Bild 5Also, jetzt genug erzählt und gefrotzelt.

Herzlichen Glückwunsch zu Deinem tollen Flug. Du hast ihn gemacht, egal ob OLC dokumentiert oder nicht.

von Thilo:

Was ist das 1. Gebot jedes Streckenpiloten? Du sollst deine Batterien laden. Du sollst deine Batterien laden. Du sollst deine Batterien laden. Und was mache ich....? Ja genau, sie waren halt doch nicht voll. Schon in Löwenstein ist das Gps in die Knie - das war gerade mal 30% der heutigen Strecke vom Kopf nach Wertheim Lengfurt an den Main. Also 110 km Luftlinie---Olc bestimmt 130 km Freie Strecke. Nach Löwenstein habe ich mit Fotos dokumentiert und habe das Gps immer wenn ich dachte ich lande nochmal kurz angeschaltet und dann ging´s doch wieder hoch.- Habe die kleinen Teilstücke auch eingereicht. Schade das wäre heute einer meiner besten Olc Flight´s im Flachland geworden. Bild 1 Breitenauer See, Bild 2 Kochertalbrücke A81,Bild 3 A81 mit geilen Wolken, Bild 4 Segelflugplatz bei Hochhausen/Tauberbischofsheim, Bild 5 Wertheim- Lengfurt am Main Nähe Würzburg, Bild 6 Screen shot mit zusammengesetzten Track Stücken. In Lengfurt hat mich mein treuer Freund Steffen nach ca 160 km Rückholstrecke doch tatsächlich abgeholt. Danke Danke Danke Bezahlung in köstlichem Schwertfisch in Knoblauch/Sahne-Sauce.

 GoogleEarth Image